Serie: Unser Wald

Osteroder Stadtforste haben eine neue Leiterin

| Lesedauer: 6 Minuten
Die neue Stadtförsterin Rebecca Rathmann.

Die neue Stadtförsterin Rebecca Rathmann.

Foto: Michael Paetzold / HK

Osterode.  Seit dem 1. April ist die gebürtige Osteroderin Rebecca Rathmann Leiterin der Stadtforste. Vorgänger Rudolf Buff ist im Ruhestand.

Es ist wahrlich keine leichte Aufgabe, eher eine für Generationen, der sich Rebecca Rathmann seit dem 1. April stellt: Sie ist die neue Försterin der Stadt Osterode und für die Bewirtschaftung der ausgedehnten Stadtforste, mehr als 1.100 Hektar auf Höhenlagen bis fast 800 Metern, zuständig. Vier Forstwirte stehen ihr zur Seite und ein Auszubildender. Rebecca Rathmann, 40, folgt auf Rudolf Buff, der sich in den Ruhestand verabschiedet hat.

„Es ist schon eine sehr spannende und schöne Aufgabe“, bewertet sie die Herausforderungen, die der Klimawandel stellt, vielleicht unbefangener als manch alter Forstwirt, der mit dem Waldsterben seine Welt zusammenbrechen sieht. Ja, die Situation sei auch für die Mitarbeiter belastend, räumt sie ein: wenig Urlaub, viel Arbeit. Die älteren Waldbestände über 40 Jahre hätten sich so gut wie erledigt, die komplette Aufarbeitung sei nicht zu schaffen. Und dem massiven Käferbefall werde man nicht mehr Herr.

Optimistische Sicht auf die weitere Entwicklung?

Doch ohne eine optimistische Sicht auf die weitere Entwicklung bräuchte man gar nicht antreten, meint die studierte Forstwirtin, der Waldumbau im Sinne einer nachhaltigen Waldwirtschaft werde gelingen. Gearbeitet wird so seit Längerem an einem Zukunftskonzept für den Stadtwald, bei dem Teile der einstigen Forste so bleiben wie sie sind und Totholz zum Wasserspeicher, Windschutz und Nährboden für die Naturverjüngung werden. „Und die kommt kräftig nach“, weiß die Fachfrau.

Fichten, Birken, Ebereschen, Lärchen, zum Teil auch Eichen siedeln sich wieder an und bilden einen Vorwald, der für die Zukunft hoffen lässt und gezielte Neuanpflanzungen schützt. Gute Verdienste lassen sich derzeit auch erzielen, und zwar mit abgestorbenem Holz, das in Zeiten des Rohstoffmangels nachgefragt ist. Zudem kann auf gut 400 Hektar noch das Holz von Buche und Edellaubhölzern geerntet werden. Zwischen 15 und 30 Jahre werde es aber wohl dauern, bis sich die Bestände weitgehend erholt haben.

Wiederbewaldung Hauptaufgabe

So bleiben die Anstrengungen der Wiederbewaldung dann auch eine der Hauptaufgaben der Stadtforst. „Ich kann jetzt prägend arbeiten“, erklärt Rebecca Rathmann ihren Ansatz, denn Rudolf Buff und seine Mitarbeiter hätten viel geschafft, viele Flächen bereits aufgearbeitet. Sie erinnert sich an ihr Walderleben als Kind. Denn die Försterin ist gebürtige Osteroderin, ist aufgewachsen in Dreilinden, ging in der GS/OS Dreilinden zur Schule, dann in die Realschule Röddenberg und zum Fachgymnasium Wirtschaft in Osterode. Praktika machte sie im Nationalpark Bayerischer Wald und bei Heiner Wendt, bei den Landesforsten zuständig für das Revier in Lerbach. „Für mich ist es wie nach Hause kommen, ich arbeite jetzt in den Wäldern, in denen ich früher gespielt habe“, freut sie sich.

Ein Freiwilliges Ökologisches Jahr absolvierte Rebecca Rathmann in einem Waldpädagogikzenturm bei Stadtoldendorf mit dem Schwerpunkt Arbeiten im Wald mit Schulklassen, ein Angebot, das sie, selbst verheiratet und Mutter von zwei Kindern, in Osterode neu beleben möchte. Natureziehung in einem bürgernahen Stadtwald, wie zum Beispiel mit neuen Familienwanderwegen oder im Osteroder Waldkindergarten, ist für sie wichtig. Der Bedarf an Waldpädagogik und der Betreuung in der Natur ist groß, noch in diesem Jahr wird eine zweite Gruppe eröffnet.

„Keine Wolfskuschlerin“

Lob gibt es für die „Mission: Stadtwaldrettung“, bei der sich Freiwillige und Sponsoren für den Wiederaufbau der Bestände einsetzen. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger haben an verschiedenen Terminen mit standortgerechtem Laubmischwald Flächen wieder aufgeforstet. Erste Erfolge konnten bei der letzten Ratsforstbegehung begutachtet werden.

Nach dem Anwärterinnendienst in Rheinland Pfalz (Staats- und Stadtwald) war die Forstwirtschaftlerin seit 2007 bei Bundesforst in unterschiedlichen Verwendungen beschäftigt (Zentrale in Berlin vier Jahre, Naturschutzsachbearbeitung Kompensationsmaßnahmen zwei Jahre in Erfurt ) und arbeitete zuletzt sechs Jahre in der Glücksburger Heide bei Jessen. Dort leitete sie ein Wolfsrevier. Was die Rückkehr des großen Beutegreifers im Harz angeht, ist sie entspannt. „Ich bin keine Wolfskuschlerin, aber es sind schon faszinierende Tiere.“

Der Wolf wird kommen

Es sei nur eine Frage der Zeit, bis sich auch im Harz eine stabile Wolfspopulationen bilde, ist sie sich sicher. Eine Gefahr gehe von den Tieren nicht aus, auch wenn es in ihrem letzten Revier in der Heide immer mal wieder zu Begegnungen mit Menschen gekommen sei. „Der Wolf erlebt uns nicht als gefährliche Personen. Gerade junge Wölfe sind dann sehr neugierig.“

Ein Problem sieht sie allerdings darin, dass sich die Bewirtschaftung in der Region noch nicht auf die Anwesenheit des Raubtiers ausgerichtet hat. Und der Luchs? Natürlich freut sich die Forstfrau, dass der im Harz so nachhaltig Fuß gefasst hat und hofft auf eine baldige Begegnung.

Krasse Veränderungen

Die Veränderung durch den Klimawandel in den heimischen Forsten erlebt die Osteroderin intensiv: „Das ist schon krass“, sagt sie. Erstmals biete sich von höheren Standorten aus ein freier Blick auf die Topografie der Landschaft. Doch sie begreift die Entwicklung auch als Chance für Neues: „Wir müssen uns vor dem Hintergrund des Klimawandels breiter aufstellen und aus den alten Forstschienen rauskommen.“ Experimentieren will sie deshalb, wenn auch auf keinen Flächen, und denkt an Baumarten wie die Esskastanie, die mit Trockenheit besser zurecht kommt.

Hauptsächlich aber setzt sie auf Eichen, Buchen, Edellaubhölzer wie Bergahorn und Feldahorn und andere heimische Arten. Die Monokulturen der Fichten, denen derzeit der Borkenkäfer den Garaus macht, sollen bunten, artenreichen Mischwäldern weichen, ein Mehrwert für den Wirtschaftswald ebenso wie für die Pflanzen und Tierwelt und nicht zuletzt alle jene, die in den städtischen Forsten Erholung vom Alltag suchen.

Wie sich der Wald entwickelt, das können Interessierte künftig vom neu geschaffenen Aussichtspunkt Feenhöhe erleben. Die Jugendwerkstatt hat auf der Anhöhe bereits drei Bänke aufgestellt. Ziel ist es jedoch, die Infrastruktur noch deutlich zu verbessern und beispielsweise Schautafeln zu errichten, um über das Generationenprojekt Waldumbau zu informieren. Derzeit wird laut Forstamtsleiterin eine Überdachung diskutiert.

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