Fake News: Ätzende „Theorien“

„Besonders haarig wird es, wenn man solche Irrlichter in der eigenen Familie hat oder im engeren Freundeskreis.“

Es geht ein Virus um in unserer Gesellschaft. Er befällt offenbar immer mehr Menschen, die sich unbewusst, naiv oder auch ganz gezielt und mental ungeschützt dem Strom aus absurden Lügen und falschen „Wahrheiten“ aussetzen, die da im Internet kursieren – meist in den sogenannten „sozialen Netzwerken“, die zu oft eigentlich himmelschreiend asozial sind, oder auf Videoplattformen, in denen sich jede Dumpfbacke als Enthüllungsreporter geben kann. Krude Thesen und finstere Botschaften werden da von scheinheiligen Propheten mit Inbrunst verbreitet, zuletzt immer öfter auch auf öffentlichen Plätzen, bei erlaubten (!) Demonstrationen und Kundgebungen – und das, obwohl unser Land nach deren Ansicht doch eine schreckliche Diktatur sei, beherrscht von einem Unrechts-Regime und gesteuert von blutrünstigen Eliten.

Ja, richtig, die Rede ist von Verschwörungsmythen. Und es gibt eigentlich keine „Theorie“, die zu blöde ist, als dass sie nicht doch irgendwelche Anhänger findet, sei es die vorgespielte Mondlandung oder dass die Erde doch flach ist. Wie soll man damit als „Normal“-Denkender, als vernünftiger Mensch umgehen? Guter Rat ist teuer. Sie zu verspotten – was manche wahrlich verdienen – führt auf Dauer nicht weiter, verhärtet die Fronten bloß. Vielleicht wäre es am bequemsten, die Verschwörungsgläubigen einfach zu ignorieren: Muss man sich nötigen lassen, diesen geistigen Durchfall als reales Problem anzuerkennen? Muss man immer nach den „eigentlichen Bedürfnissen“ der Gegenseite forschen, wenn die nur dummes Zeug von sich gibt? Muss man immer verständnisvoll sein? Ich finde: Nein. Aber der Irrsinn, der da zuweilen verbreitet wird, ist so provokant und auch gefährlich (etwa wenn es um Gesundheitsthemen geht), dass man es eigentlich nicht ohne Widerspruch hinnehmen kann. Und diese giftigen Thesen verpesten auch das gesellschaftliche Meinungsklima. Sie wirken zersetzend wie eine Säure auf die öffentlichen Debatten, verbreiten Misstrauen in die Grundlagen unseres Zusammenlebens.

Diskutieren gut und schön: Doch leider ist es schwer bis unmöglich, die Wirrköpfe sprachlich-geistig noch zu erreichen, denn praktisch alles, was man als Gegenargument vorträgt, verwenden sie wieder gegen einen, als Beleg, dass man den vermeintlichen „Lügen“ des Systems aufgesessen ist, dass man sich aus gefälschten Quellen informiert und die Wahrheit nicht erkennt, dass man ein „Schlafschaf“ ist. Und wahre Verschwörungsgläubige wollen sich auch gar nicht vom Gegenteil überzeugen lassen. Besonders haarig wird es, wenn man solche Irrlichter in der eigenen Familie hat oder im engeren Freundeskreis. Das trägt einen im Kern unsinnigen Streit, auf den es oft hinausläuft, wenn man das Diskutieren anfängt, mitten in den engsten sozialen Kreis. Und gerade zu Weihnachten macht das keinen Spaß.

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