Braunschweig. Robbie Williams, Lady Gaga, Mick Jagger: 2002 und 2009 kamen viele Stars in die VW-Halle. Wir erinnern mit kuriosen Anekdoten an grandiose Live-Shows.

Die „Wetten, dass..?“-Sendung aus Braunschweig am 26. Januar 2002 hatte gerade richtig Fahrt aufgenommen, da hörte Stephan Lemke plötzlich dieses unangenehme Geräusch. Die Brandmeldeanlage hatte ausgelöst. Feueralarm in der Volkswagen-Halle mitten in der Live-Sendung! Der damalige Betriebsleiter der Volkswagen-Halle saß in der ersten Reihe und schoss in einem Vollsprint sofort nach draußen. Was war geschehen?

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„Sicherlich zwei Minuten war dieser Ton zu hören. Die Live-Sendung wurde nicht unterbrochen, im TV war der Ton ebenfalls hörbar, aber recht leise. Wir haben entschieden, die Anlage schnell wieder auszuschalten. Ohne die Feuerwehr in Kenntnis zu setzen. Das ist eigentlich nicht erlaubt“, sagt er fast 22 Jahre nach dem Vorfall ein wenig schmunzelnd. Dann begann die Suche nach dem Grund. „Letztendlich kam heraus, dass ein Scheinwerfer in einem kleinen Fernsehstudio im Backstage-Bereich, in dem gerade die Band Westlife zu einem Interview geladen war, der Grund der Aufregung war. Das Gerät stand direkt unter einem Feuermelder und ist schlicht heißgelaufen.“

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Plötzlich öffneten sich während der Live-Show die Türen der Volkswagen-Halle Braunschweig

Auch der Sicherheitsdienst hatte plötzlich alle Hände voll zu tun. Denn durch den Feueralarm öffneten sich rasch einige Hallentüren. „Vor der VW-Halle standen zu dem Zeitpunkt 100 bis 150 Fans, die Autogramme von den Stars wollten. Unsere Security hat aber prima und besonnen gehandelt. An allen Türen standen schnell Mitarbeiter, sodass keiner ohne Ticket in die Halle kam.“

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Gleich zweimal war Braunschweig Gastgeber des einstigen TV-Straßenfegers, der am Samstag aller Voraussicht nach zum allerletzten Mal zu sehen sein wird. Ottfried Fischer, Claudia Schiffer, Boris Becker, Johannes B. Kerner, Sven Hannawald und Anastacia saßen bei der Show 2002 auf der Couch. Westlife („World of our own“), das Musical „Oh! What a Night“, Anastacia („One Day in your Life“), Mick Jagger („Visions of Paradise“) sowie Sarah Connor („From Sarah with Love“) standen auf der Bühne.

Stephan Lemke, damaliger Veranstaltungsleiter der VW-Halle und heutiger Geschäftsführer, konnte 2009 den Fortschritt des Kulissenaufbaus für „Wetten, dass…?“ aus nächster Nähe verfolgen.
Stephan Lemke, damaliger Veranstaltungsleiter der VW-Halle und heutiger Geschäftsführer, konnte 2009 den Fortschritt des Kulissenaufbaus für „Wetten, dass…?“ aus nächster Nähe verfolgen. © Archiv | Rudolf Flentje

Frivoler Auftritt von Sarah Connor in Braunschweig hallte wochenlang nach

Lange war Braunschweig auch nach der Show im Gespräch. Grund war Sarah Connors freizügiger Skandal-Auftritt. Die damals 21-Jährige trug ein transparentes Kleid, das über Wochen Thema in den Boulevardmedien war. Mit 14,65 Millionen Zuschauern allein in Deutschland kam die Eurovisions-Sendung damals auf den achten Platz der Top-TV-Übertragungen des Jahres. Davor rangierten nur WM-Spiele der deutschen Nationalmannschaft – und die „Wetten, dass...?“-Show von März.

Mit oder ohne Slip? Die Fernsehnation zermarterte sich 2002 den Kopf über den später dementierten Unterwäscheverzicht von Popsängerin Sarah Connor in der Volkswagenhalle. Thomas Gottschalk schwieg damals als Mann von Charakter nach der Braunschweiger Sendung.
Mit oder ohne Slip? Die Fernsehnation zermarterte sich 2002 den Kopf über den später dementierten Unterwäscheverzicht von Popsängerin Sarah Connor in der Volkswagenhalle. Thomas Gottschalk schwieg damals als Mann von Charakter nach der Braunschweiger Sendung. © Peter Sierigk

Sieben Jahre später, am 7. November 2009, war die Stardichte noch ein bisschen größer: Robbie Williams („Bodies“), Black Eyed Peas („I gotta feeling“), Spandau Ballet („Medley“) sangen. Harald Schmidt und Wolfgang Rademann, John Cusack und Roland Emmerich, Sebastian Vettel und Nazan Eckes, David Garrett, Elisabeth von Thurn und Taxis als Wettpaten plus Lady Gaga als Special Guest traten auf. Der Quoteneinbruch war trotzdem schon zu merken. Nur noch 9,85 Millionen Zuschauer verfolgten das Spektakel am Fernseher.

Absoluter Ausnahmezustand für fast 400 Tänzer aus der Braunschweiger Tanzschule Hoffmann, die bei „Wetten dass..?“ den Black Eyed Peas ganz nahe sein konnten.
Absoluter Ausnahmezustand für fast 400 Tänzer aus der Braunschweiger Tanzschule Hoffmann, die bei „Wetten dass..?“ den Black Eyed Peas ganz nahe sein konnten. © Archiv | Peter Sierigk

Zwei Wochen Produktion für eine „Wetten, dass..?“-Show

Stephan Lemke war bei beiden Shows dabei und auch sehr in den Vorbereitungen eingebunden. „Es war ein massiver Aufwand. So viel Technik. Knapp zwei Wochen dauerte der Aufbau. Im ersten Schritt wurden ringsherum die ganzen Traversen für die Scheinwerfer montiert, dann der eigene etwa 2000 Quadratmeter große Fußboden verlegt. Im nächsten Schritt montierten die Techniker Lautsprecher, Scheinwerfer und bauten die drei Bühnen auf: Die Showbühne, das Sofa und die Wettbühne.“ Mittwochs vor der Sendung begannen dann die Proben. Statisten ersetzten die Gäste, die Wetten wurden mehrmals durchgeprobt. Etwa drei Tage dauerte jeweils der Abbau.

Die Aufbauarbeiten für die ZDF-Show „Wetten, dass ...?“ dauerten zwei Wochen.
Die Aufbauarbeiten für die ZDF-Show „Wetten, dass ...?“ dauerten zwei Wochen. © Archiv | Rudolf Flentje

Die vorhandenen Sitzplätze veränderte das ZDF nicht. „Um die 2000 Zuschauer verfolgten die Show aus der Halle. Wir haben immer die Osttribüne genutzt, da im Westen unsere Vip-Bereiche liegen, die für die Sendung nicht brauchbar sind.“

Die Medienpräsenz war hoch: Viele Fotografen waren bei der TV-Show in Braunschweig im November 2009 dabei.
Die Medienpräsenz war hoch: Viele Fotografen waren bei der TV-Show in Braunschweig im November 2009 dabei. © Archiv | Peter Sierigk

Whisky für Mick Jagger und Sauerkraut für Claudia Schiffer

Wenn Weltstars im Spiel sind, ist die Anekdotendichte immer hoch. So erinnert sich Stephan Lemke, dass Mick Jagger damals unbedingt einen ganz bestimmten Whisky wollte. „Den haben wir besorgt. Doch nach Jaggers Abreise stand die Flasche immer noch unbenutzt in seiner Garderobe. Unser Caterer hat sich für Claudia Schiffer auf alles vorbereitet: Von Austern bis Kaviar. Doch dann wollte sie plötzlich Sauerkraut. Und ausgerechnet das hatten wir nicht. Weil 2002 die Einkaufsmärkte noch recht früh schlossen, konnten wir immerhin in der Metro was auftreiben.“ Bei der Live-Show 2009 fuhr Sebastian Vettel mit einem Formel-1-Wagen in die Halle und drehte ihn einmal um die eigene Achse. „Bei den Proben hat das nicht so gut funktioniert. Teile der Kulissen wurden beschädigt.“

2200 Zuschauer konnten „Wetten, dass…?“ in der Halle verfolgen. Links die Showbühne, in der Mitte das Sofa, rechts die Wett-Bühne.
2200 Zuschauer konnten „Wetten, dass…?“ in der Halle verfolgen. Links die Showbühne, in der Mitte das Sofa, rechts die Wett-Bühne. © Archiv | Daniela Nielsen

Beim Warm-Up kurz vor der Sendung begrüßt Thomas Gottschalk traditionell schon einmal das Publikum. 2009 saß auch der damalige Aufsichtsratsvorsitzende und Braunschweiger SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus Winter im Publikum. „Ach, Herr Seehofer!“, begrüßte der Showmaster den Politiker aus der Löwenstadt mit einem zwinkernden Auge.

Riesenrummel auch bei der Pressekonferenz: Thomas Gottschalk im Gespräch für die Schülerzeitung „Grashüpfer“ der Grundschule Grasleben (Helmstedt): Gottschalk (vorne rechts) ließ sich von Laura Fröhlich (links) und Constanze Dittmann interviewen.
Riesenrummel auch bei der Pressekonferenz: Thomas Gottschalk im Gespräch für die Schülerzeitung „Grashüpfer“ der Grundschule Grasleben (Helmstedt): Gottschalk (vorne rechts) ließ sich von Laura Fröhlich (links) und Constanze Dittmann interviewen. © privat | Rudolf Flentje

Stars übernachteten zum Beispiel im Stadtpalais in Braunschweig

Legendär waren auch die After-Show-Partys. 2002 fand die Zusammenkunft in den Räumen der Öffentlichen Versicherung statt, 2009 in der Stadthalle. „Die Top-Promis waren nicht dabei. Aber ansonsten viele Wettpaten, die Wettkandidaten mit Familie, Produktionsmitglieder. Insgesamt jeweils Hunderte Gäste“, erinnert sich Lemke. „Wir haben schon gut gefeiert.“ Details verschweigt er jedoch. 2002 war das Ritz-Carlton in Wolfsburg für die meisten Promis die Unterkunft, 2009 stellte das damalige Stadtpalais in Braunschweig viele Betten. „Robbie Williams hatte in der Sendung nur einen 90-Minuten-Auftritt. Er kam abends in Waggum an, wurde schnell zur Show gefahren, um kurze Zeit später wieder abzuheben“, erzählt Lemke. Und: 2002 verlor Thomas Gottschalk die Stadtwette gegen Braunschweig. Als Wetteinlösung musste er eine Kritik in unserer Zeitung schreiben, die wir auf dem Titel veröffentlichten – die Ausgabe wurde eine der meistverkauften aller Zeiten.

Ausriss aus der Braunschweiger Zeitung vom 28. Januar 2002. Als Thomas Gottschalk „Wetten, dass..?“ verriss.
Ausriss aus der Braunschweiger Zeitung vom 28. Januar 2002. Als Thomas Gottschalk „Wetten, dass..?“ verriss. © Archiv

Wie wurde Braunschweig eigentlich zur „Wetten, dass..?“-Gastgeberstadt? „Der langjährige Hallenchef Uwe Birker hatte noch gute Kontakte in die TV-Branche. In der Stadthalle fanden schließlich regelmäßig Aufzeichnungen statt. 2000 wurde die Volkswagen-Halle eröffnet. Und für Fernsehsender waren damals neue Hallen immer attraktiv. So fand im November 2000 quasi als Generalprobe für ,Wetten, dass..?‘ Dieter Thomas Hecks ,Melodien für Millionen‘ in Braunschweig statt.“ Nach „Wetten, dass..?“ folgten noch drei Carmen-Nebel-Shows.

«Mr. Wetten, dass..?»: Ein letztes Mal mit Thomas Gottschalk

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    Dann war Schluss mit den TV-Produktionen aus Braunschweig. „Heute gibt es aus Kosten- und Nachhaltigkeitsgründen kaum noch Sendungen, die in Hallen produziert werden. Eher sind es mittlerweile TV-Studios“, erklärt Lemke. Trotzdem waren die Sendungen für Stadt und Region ein gewaltiger Imagefaktor. „Wenn Millionen Menschen über drei Stunden mehrmals das Wort Braunschweig hören, ist das ein Plus für Stadt und Region.“