Braunschweig. Zum 30-jährigen Bestehen gestaltete der Braunschweiger Konzertchor mit dem Staatsorchester festliche Chorgedichte von Johannes Brahms.

Ein so exquisites wie anspruchsvolles Programm hatte sich Braunschweigs Konzertchor zum 30. Jubiläum vorgenommen: Feierliche Chorgedichte von Johannes Brahms. Der auch häufig mit dem Staatstheaterchor auftretende Konzertchor war erst jüngst zum Saisonauftakt der Sinfoniekonzerte des Staatsorchesters mit Beethovens 9. im Staatstheater zu hören. Und so stand dem musikalischen Leiter Matthias Stanze, der 1993 auch Gründer des Chors war, beim Jubiläumskonzert in der Jakobikirche das Staatsorchester als sichere Basis zur Verfügung.

Den wohlvorbereiteten Chor wusste er sauber mit dem von Brahms üppig besetzten Klangkörper zu koordinieren. Die Stimmen des Konzertchors sind gut ausgewogen, geben die für Brahms nötige Fülle. Der Komponist verlangt in diesen Stücken eine meist freiflutend erzählende, aber von ziemlich feierlichem Ton getragene Geste. Die Effekte sind romantisch wölbend, manchmal reichlich weihevoll.

Stampfender Protest gegen die Parzen

In Schillers „Nänie“ sorgt der Paukenwirbel für schicksalsschwere Stimmung. Aber wenn der bis dahin feierlich deklamierende Chor plötzlich leise aus den Höhen „die da weinen“ beschwört und gar a cappella „dass das Schöne vergeht“ beklagt, klingt es dann doch still und von ernster Wahrhaftigkeit.

Gewaltig und kämpferisch geht Stanze Goethes „Gesang der Parzen“ an. Erst die Männer, dann die Frauen begeben sich in einen stampfenden Reigen, der Schicksal wie Protest nahelegt. Und wenn der verbannte Prometheus das Haupt über die Willkür der Götter schüttelt, bekommt das geradezu etwas Überlegenes. Dichtung und Musik, die noch heute Schauer bereiten.

Künstlerischer Trost vom göttlichen Psalter

In der Alt-Rhapsodie überantwortet Brahms zu Goethes Versen persönliche Enttäuschung künstlerischem Trost. Mit Anne Schuldt war eine Altistin mit warmem, klangvollem Ton und ernster Phrasierung zu erleben. Männerchor und gezupfte Celli leiten die choralhaft weiche Beschwörung des göttlichen Psalters ein, der den Versetzten erquicken soll. Dessen Zerrissenheit zuvor ist bei Brahms kaum kenntlich gemacht, wird auch von Stanze eher in gemessener Traurigkeit zelebriert.

Dagegen steigert er in „Hyperions Schicksalslied“ das Gleichmaß des Chorlieds zu protesthafter Geste, in Stößen „von Klippe zu Klippe“ führend und erst im nachgereichten Akkord in melancholisches Schweben mündend. Starke Interpretationen, stilvoll ausgeführt. Dem Applaus im gut besuchten Saal folgte ein geistliches Lied als Zugabe, das Stanze sich als Friedensgebet zum stillen Auseinandergehen dachte. Aber der Chor wollte ihn natürlich würdigen, schenkte Rosen von jeder Hand. So endete das Konzert doch wieder im Applaus.