Was der Hamburger „Tatort“ mit Udo Lindenberg zu tun hatte

Berlin.  Der „Tatort“ mit Wotan Wilke Möhring stimmte die große Ballade auf das Rotlichtmilieu von St. Pauli an. Die drei wichtigsten Fakten.

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Der Titel dieser „Tatort“-Episode ließ Nostalgisches erwarten: „Die goldene Zeit“ hieß der Film mit den Ermittlern Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Julia Grosz (Franziska Weisz). Darin ersticht der minderjährige, aus Rumänien angereiste Auftragskiller Matei (Bogdan Iancu) den Betreiber eines Großbordells und muss danach selbst um sein Leben fürchten. Dabei geht es auch darum, wie sich das Milieu in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat. Drei interessante Fakten.

„Tatort“ von Udo Lindenbergs Ex-Bodyguard Eddy Kante inspiriert

Die Realität auf St. Pauli ist nicht mehr dieselbe wie noch vor 30 Jahren. Sowohl die Migration aus Osteuropa wie auch die Folgen der Gesetzesänderungen der vergangenen Jahrzehnte werden in „Die goldene Zeit“ deutlich angesprochen.

Drehbuchautor Georg Lippert sagt im ARD-Interview, er habe sich von einem Interview mit Eddy Kante anregen lassen: „Der Ex-Bodyguard von Udo Lindenberg, ein Kiez-Urgestein, philosophiert darin über die gute alte Ganovenzeit. Früher hätten die Luden ihre Konflikte noch vor der Tür mit Fäusten ausgetragen. Heute würde man 14-jährige Kinder aus Osteuropa mit einem Messer losschicken und sie nach der Tat sofort zurück über die Grenze schleusen. Es gebe auf der Meile keine Ehre mehr. Das ist das Herz unserer Geschichte.“

Eddy Kante, Jahrgang 1959, schrieb 2013 seine Lebenserinnerungen und schied danach aus dem Arbeitsverhältnis mit Lindenberg aus. Heute gehört er zur Künstlerfamilie der Entertainerin Olivia Jones und bietet Kiez-Touren auf St. Pauli an.

Die „Tatort“-Regisseurin Mia Spengler ist auch bei Netflix unter Vertrag

Die Regisseurin dieser „Tatort“-Folge startet gerade in eine vielversprechende Karriere. Mia Spengler wurde 1986 in München geboren, nach Angaben ihrer Agentur „als Tochter einer koreanischen Krankenschwester und ihres bayerischen Patienten“.

Sie studierte Szenische Regie an der Filmakademie Baden-Württemberg und gewann für ihre Kurzfilme mehrere Auszeichnungen, bevor ihr erster Langfilm „Back for Good“ 2017 die Sektion „Perspektive Deutsches Kino“ auf der Berlinale eröffnete.

2019 war für sie ein sehr ereignisreiches Jahr: Nach den Dreharbeiten für den „Tatort“ ging es im September mit der zweiten Staffel von „How To Sell Drugs Online (Fast)“ weiter, die noch in diesem Frühjahr beim Streamingdienst Netflix zur Verfügung gestellt werden soll.

Die Außenaufnahmen für „Die goldene Zeit“ wurden der Regisseurin zufolge in Begleitung von vier Bodyguards als „Guerilla-Dreh“ erstellt, weil das Budget für so viele Statisten nicht ausreichte.

Der „Kiezköter“ Michael Lübke steht für St. Paulis Vergangenheit

Der rumänische Auftragskiller Matei wird im „Tatort“ von der ehemaligen Kiezgröße Michael Lübke (Michael Thomas) zunächst in Gefangenschaft genommen, bald aber entwickelt sich zwischen beiden eine Art Vater-Sohn-Verhältnis. Auch in dieser Figur finden sich Anspielungen auf Udo Lindenbergs ehemaligen Leibwächter Eddy Kante.

Wie dieser hat auch Lübke seine Memoiren veröffentlicht – Kommissar Falke freut sich, darin einmal kurz erwähnt zu sein. Und wie dieser blickt er melancholisch auf eine vermeintlich bodenständigere, ehrlichere Vergangenheit im Rotlichtmilieu, während er sich von den Albanern auf St. Pauli demütigen lassen muss.

Auch Schauspieler Michael Thomas, übrigens ehemaliger Boxer und Stuntman und Boxer, sagt im ARD-Interview: „Natürlich habe ich mitgekriegt, wie extrem sich der Kiez im Laufe der Jahre verändert hat. Er ist sehr Ballermann-artig geworden. Aber wenn man in die kleinen Gassen geht, dann kann man den Zauber der alten Zeit noch spüren.“

An Thomas‘ Seite überzeugt der rumänische Nachwuchsschauspieler Bogdan Iancu als Auftragskiller Mattei. Bogdan Iancu, Jahrgang 1999, spielte bereits 2013 an der Seite von Gérard Depardieu und Harvey Keitel in der Independent-Produktion „A Farewell To Fools“.

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