Röhrse. Peiner übersehen den Autobahn-2-Rastplatz, aber für Durchreisende hat er eine Bedeutung – hier die Gründe. Aber es gibt ein WC-Problem.

Der ParkplatzRöhrse an der Autobahn 2 (A2) – den meisten Autofahrern im Landkreis mag er unbekannt sein, liegt er doch nur etwa fünf Kilometer von der Abfahrt Peine entfernt. Doch für Durchreisende – und das sind täglich Zigtausende auf dem Highway – hat diese schmucklose Stätte eine Bedeutung: Eine Stunde am Samstagmittag reichen aus, um mit fast einem Dutzend A2-Nutzern ins Gespräch zu kommen.

Blick auf den Rastplatz Röhrse (Fahrtrichtung Hannover) mit dem defekten WC-Häuschen.
Blick auf den Rastplatz Röhrse (Fahrtrichtung Hannover) mit dem defekten WC-Häuschen. © Funke Niedersachsen | Harald Meyer

Doch zunächst beginnt das „Abenteuer Rastplatz“ mit einer Überraschung: Auf dem ersten blauen Hinweisschild mit dem P (wie Parkplatz)Röhrseist das „WC“ noch angekündigt, auf dem zweiten kurz vor der Abfahrt (Fahrtrichtung Hannover) ist es hingegen durchgestrichen. Egal, der Reisebus mit der fröhlichen Gesellschaft aus Weißwasser in der Oberlausitz (Sachsen) hat trotzdem in Röhrse einen Zwischenstopp eingelegt – der Parkplatz verschafft dem 260 Einwohner kleinen Ort eine erstaunliche Bedeutung.

Autobahn-Rastplatz Röhrse – Zur Stärkung gibt es Nudeln

Mittagessen ist angesagt bei besagter Gruppe: Nudeln mit Tomatensoße, und zwar aus großen Warmhaltebehältern. Woher kommt ihr? Stolz zeigen ein paar von ihnen das Emblem des Vereins „Eissport Weißwasser“ auf ihrer Bekleidung – es geht um Eishockey. Die Jugendmannschaft „Unter 15“ (rund 20 Kinder) ist zusammen mit Eltern und Betreuern unterwegs nach Bremerhaven zu einem Qualifikationsspiel um die Deutsche Meisterschaft. Rico Richter, Vater eines der eishockeybegeisterten Kinder, verbindet das Nudelessen mit einem Gespräch. Seit 7.15 Uhr ist die Truppe am Samstag unterwegs – dass es nun, kurz nach 12 Uhr, ausgerechnet Röhrse für das Mittagessen sei, sei Zufall.

Die defekten Toiletten scheinen ihn – anders als andere Befragte – nicht weiter zu stören. Vielmehr genießt die gesamte Gruppe ihr „Sportler-Essen“ (Nudeln sind Energielieferanten) bei angenehmen Frühlingstemperaturen und Sonnenstrahlen sowie unweit einer dieser roten Restmüllcontainer. Ach ja: Das Spiel in Bremerhaven beginnt um 17.15 Uhr – bis dahin sollte die Fahrt zu schaffen sein. Und das erste Spiel hat Weißwasser zu Hause gegen diese norddeutsche Mannschaft mit 7:1 gewonnen.

Eine lustige Gesellschaft: der Verein Eissport Weißwasser auf dem Rastplatz Röhrse (Fahrtrichtung Hannover).
Eine lustige Gesellschaft: der Verein Eissport Weißwasser auf dem Rastplatz Röhrse (Fahrtrichtung Hannover). © FMN | Harald Meyer

Aber Vorsicht auf der A2: Kurz vor dem Parkplatz Röhrse (Fahrtrichtung Hannover) befinden sich „Blitzer“. Busse (maximal 100 Stundenkilometer) und Lastwagen (von 3,5 bis 7,5 Tonnen maximal 80 Stundenkilometer) „fotografiert“ diese Anlage generell. „Unser Busfahrer weiß Bescheid“, gibt Richter Entwarnung – gute Fahrt und viel Erfolg (Weißwasser hat 13:1 in Bremerhaven gewonnen). Nebenbei: Zu DDR-Zeiten war Weißwasser Eishockey-Abonnementmeister bei den Männern, heute spielen sie in der zweiten Bundesliga.

Autobahn-Rastplatz: „Pinkelpause“ mit Problemen

Andere reagieren weniger gelassen. Christian aus Werder (Havel/Brandenburg) ist auf dem Weg nach Bielefeld (Kenner wissen natürlich, dass es Bielefeld nicht gibt) und wollte auf dem Rastplatz Röhrse eine „Pinkelpause“ einlegen. Dumm gelaufen: Das mit allerlei Schriftzügen (Graffiti) verzierte/verunstaltete Backsteinhäuschen (WC) ist geschlossen – und zwar konsequenterweise sowohl die Frauen- als auch die Männertoilette wegen Reparaturarbeiten. Okay, also hat sich Christian – geschätztes Alter zwischen 50 und 60 – fix in die Büsche geschlagen, um sich seiner Sorgen zu entledigen.

In dem ominösen Bielefeld will Christian sich am Samstag das Drittliga-Fußballspiel der Arminia gegen Aufsteiger Unterhaching (2:1 für Unterhaching) anschauen – „Stehplatz“. 330 Kilometer sind es von Werder nach Bielefeld – das ist wahre Vereinsliebe, aber er stammt auch aus dieser Stadt in Ostwestfalen. Bielefeld kämpft gegen den Abstieg, „genau wie der Traditionsklub Eintracht Braunschweig“, sagt er noch – aber die Eintracht immerhin eine Klasse höher in der zweiten Liga.

Zwischenstopp auf dem Rastplatz Röhrse (Fahrtrichtung Hannover): Thorsten König aus Bremen. 
Zwischenstopp auf dem Rastplatz Röhrse (Fahrtrichtung Hannover): Thorsten König aus Bremen.  © FMN | Harald Meyer

Von wegen: Der Rastplatz Röhrse (je einer in Fahrtrichtung Hannover und Berlin) ist nur für Lastwagenfahrer wichtig, weshalb er vor Jahren um weitere Lkw-Stellplätze erweitert worden ist. Auch Pkw-Fahrer steuern ihn an, dabei hat er nur das übliche Programm zu bieten: Parkplätze, Restmüllcontainer, Garnitur (Tisch/Sitzbänke) aus Holz.

Und eben ein WC-Häuschen, allerdings zurzeit außer Betrieb (auch wieder konsequenterweise auf den beiden Röhrse-Parkplätzen in beide Fahrtrichtungen). Der dritte Rastplatz mit kaputten Toiletten, beklagt sich eine Frau hörbar genervt – mit dem „Sich-in-die-Büsche-schlagen“ sei es für sie ja nicht so einfach. Immerhin: Nicht weit entfernt ist die Raststätte Lehrte – da sollte doch alles in Ordnung sein.

Autobahn-Rastplatz – „bietet nichts“

„Nichts“, antwortet denn auch ein Oldenburger (Niedersachsen) auf die Frage, was der Rastplatz so zu bieten habe. Immerhin kann er zusammen mit seiner Frau auf der Holzbank am Tisch sitzen, und die kaputte Toilette betrifft den Senior nicht: „Wir haben in unserem Wohnmobil unser eigenes WC.“

Thorsten König (56) – der einzige Befragte, der seinen vollen Namen nennt – merkt süffisant an: „Das WC ist offenbar schon so lange kaputt, dass jetzt sogar das Hinweisschild auf die Reparatur kaputt ist.“ Der Bremer befindet sich auf der Rückreise aus Magdeburg, wo er beruflich zu tun hatte – und auch er kommt im Gespräch auf den Sport und die Rivalität zwischen Bremen (Werder) und Hamburg (HSV). Immerhin: Auf dem Rastplatz ist zumindest an diesem Samstagmittag (vergleichsweise) wenig Müll auf dem Erdboden zu sehen, die Container sind nicht überfüllt, ein kleines Kissen und (gut erhaltene) Sportschuhe liegen verwaist herum.

Den einzigen Autofahrer aus der Region, der in dieser Stunde auf dem Rastplatz anzutreffen ist, ist ein Wolfsburger. Auch bei ihm ist der Grund für den Stopp ein „dringendes Geschäft“ – allerdings nicht sein eigenes, sondern das seines Hundes, eines Glatthaar-Foxterriers, der gerade in seiner Box im Auto bellt. Am Morgen habe der Vierbeiner sein (übliches) Geschäft nicht erledigen können, also sei schon klar gewesen, dass irgendwann auf der Fahrt eine Pause fällig sei, meint der Wolfsburger – zufällig hat es Röhrse getroffen.

Autobahn-Rastplatz – LKW fest in polnischer Hand

Bemerkenswert: Während bei der Befragung ausschließlich deutsche PKW-Fahrer (bis auf einen Niederländer) auf dem Rastplatz zu sehen sind, scheinen die Lkw fest in ausländischer – um nicht zu sagen: in polnischer – Hand zu sein. Um die 15 dieser riesigen Kolosse, bis zu 16,5 Meter lang, scheinen gerade auf dem Parkplatz zu „schlafen“.

Im Fahrerhäuschen sind – trotz der Mittagszeit – die Gardinen noch zugezogen. Die wenigen Fernfahrer – alles Männer –, die zu sehen sind, können oder wollen nichts sagen, erklären sie, könnten weder Deutsch noch Englisch sprechen. „Polnisch?“, fragen sie zurück, einer will wissen: „Polnisch, Russisch?“ Nee, klappt leider nicht mit mir. Und plötzlich, wie auf ein Zeichen, setzen sich einige dieser Trucks schnaubend und rüttelnd in Bewegung, um auf der A2 ihre Fahrt fortzusetzen. Schließlich gilt in Deutschland an Sonn- und Feiertagen ein LKW-Fahrverbot (mit Ausnahmeregelungen), und auf diesem (tristen) Rastplatz Röhrse will offenbar niemand das Wochenende verbringen. Ich bin jetzt auch weg.

Bildergalerie Rastplatz Röhrse (A2)

Der Rastplatz Röhrse (Fahrtrichtung Hannover).
Der Rastplatz Röhrse (Fahrtrichtung Hannover). © Funke Niedersachsen | Harald Meyer
Der Rastplatz Röhrse (Fahrtrichtung Hannover).
Der Rastplatz Röhrse (Fahrtrichtung Hannover). © Funke Niedersachsen | Harald Meyer
Der Rastplatz Röhrse (Fahrtrichtung Hannover) – WC-Häuschen.
Der Rastplatz Röhrse (Fahrtrichtung Hannover) – WC-Häuschen. © Funke Niedersachsen | Harald Meyer
Der Rastplatz Röhrse (Fahrtrichtung Hannover) – das WC-Häuschen.
Der Rastplatz Röhrse (Fahrtrichtung Hannover) – das WC-Häuschen. © FMN | Harald Meyer
Der Rastplatz Röhrse (Fahrtrichtung Hannover) – zerstörte Sitzbank.
Der Rastplatz Röhrse (Fahrtrichtung Hannover) – zerstörte Sitzbank. © FMN | Harald Meyer
Der Rastplatz Röhrse (Fahrtrichtung Hannover) - vergessenes Kissen.
Der Rastplatz Röhrse (Fahrtrichtung Hannover) - vergessenes Kissen. © FMN | Harald Meyer
Der Rastplatz Röhrse (Fahrtrichtung Hannover). 
Der Rastplatz Röhrse (Fahrtrichtung Hannover).  © FMN | Harald Meyer
Der Rastplatz Röhrse (Fahrtrichtung Braunschweig).
Der Rastplatz Röhrse (Fahrtrichtung Braunschweig). © FMN | Harald Meyer
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