Die Bundestagsabgeordnete Brigitte Pothmer (Grüne) war zu Gast in Osterode
In Qualifizierung investieren
 Die Grünen-Politiker Raymond Rordorf, Brigitte Pothmer (MdB), Franziska Kahlbrandt und Jürgen Rähmer im Gespräch mit HarzKurier-Mitarbeiter Florian Renneberg (im Uhrzeigersinn). Foto: Mark Härtl Von Florian Renneberg
KREIS OSTERODE. Bei ihrem Besuch in Osterode informierte sich die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Brigitte Pothmer, gestern über die Förderung von Eingliederungsmaßnahmen im Kreis.
„Die Bundesregierung hängt mit ihrer Politik die Menschen mit multiplen Vermittlungshemmnissen ab“, kritisierte Pothmer. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Grünen-Kreistagsfraktion, Raymond Rordorf, der grünen Landtagskandidatin Franziska Kahlbrandt und Jürgen Rähmer von den Osteroder Grünen suchte Pothmer unter anderem das Gespräch mit Verantwortlichen des Osteroder Jobcenters und der Qualifizierungs- und Beschäftigungsgesellschaft „StarQ für Menschen“. Letztere sei besonders von dem Wegfall der Bundesmittel zur Förderung schwer vermittelbarer Arbeitssuchender betroffen, klagte Rordorf. „Die angestoßenen Projekte sind zum Tode verurteilt“, so der Grüne.
„Die Spaltung in der Gesellschaft hat eine neue Qualität erreicht“, ergänzte Pothmer. Armut habe es in Deutschland immer gegeben, dass diese sich vererbt, sei hingegen neu. Die Gesellschaft werde es teuer bezahlen, wenn sie zulasse, dass ein Teil der Menschen auf Dauer abgehängt werde, warnte die Bundestagsabgeordnete: „Es ist billiger, in die Qualifizierung der Menschen zu investieren, als sie dauerhaft zu alimentieren.“ In diesem Zusammenhang verwies Pothmer auch auf den Fachkräftemangel insbesondere in den Gesundheits- und Pflegeberufen. Sie plädiert dafür, die vorhandenen Mittel zu nutzen, um Arbeit anstatt Arbeitslosigkeit zu finanzieren.
Um geringqualifizierte und arbeitsmarktferne Menschen zu integrieren, brauche es aber Projekte wir StarQ, das überdies eine erfolgreiche Bilanz vorweisen könne. Der Rotstift sei hier nicht aufgrund schlechter Ergebnisse, sondern völlig willkürlich angesetzt worden.
Überhaupt diene der wirtschaftliche Aufschwung dazu, die Langzeitarbeitslosen aus dem öffentlichen Bewusstsein zu verdrängen. „Qualifizierte Kurzzeitarbeitslose wurden vom Aufschwung aufgesogen“, sagte Pothmer, „die Langzeitarbeitslosen bleiben jedoch zurück.“ In Osterode beispielsweise habe das Jobcenter seit 2010 Kürzungen von rund 40 Prozent verkraften müssen, obwohl die Arbeitslosigkeit nur um rund sechs Prozent zurückgegangen sei.
Bei ihrem Besuch habe sie zahlreiche engagierte Mitarbeiter beim Jobcenter und StarQ getroffen. Das mache Mut, so Pother. Nun gelte es aber aufzupassen, dass die Strukturen durch den Wegfall der Bundesmittel nicht zusammenbrechen.
HarzKurier: 20. Juni 2012 |
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