Seitenkopf Donnerstag, 09. September 2010 - 1:49 als Startseite | Kontakt | Impressum | AGB Harz Kurier Harzer Wochenspiegel Echo zum Sonntag Anzeige Suche:
Nachrichten
Anstieg der Notfallpatienten im Herzberger Krankenhaus
Winter: Probleme zeigen Kehrseite der Medaille


Schneeberge werden abgefahren, wie am oberen Teil „Hengstrücken“ in Freiheit. Foto: Schönfelder
Von Kirsten Buchwald
KREIS OSTERODE. Der Schnee bringt gute Bedingungen für Wintersportler, aber auch alltägliche Probleme mit sich. Der HarzKurier fragte die unterschiedlichen Einrichtungen nach ihren Erfahrungen. So brauchen die Schüler im Landkreis nicht auf schneefrei zu hoffen und die Polizei gibt Hinweise zum sicheren Fahren auf den Straßen. Im Krankenhaus merkt man einen Anstieg der Notfallpatienten und das Streusalz wird in wenigen Orten auch wieder knapp.

Für das Räumen gibt es Prioritätenlisten, an die sich die Bauhöfe und Winterdienste im Landkreis halten. Ganz oben stehen Zufahrten für Krankenhäuser und Schulen. Während niedersachsenweit Schulleiter die Schulen schließen, geht der Unterricht im Landkreis Osterode weiter. „Die Anfahrtsstrecken zu den Schulen sind geräumt, so dass auch die Busse fahren können“, erklärt der Bauhofleiter aus Bad Lauterberg, Thomas Hunold. Schon am Montag sei der Schnee in der Zechenstraße gefräst worden, so dass für diese Straße, in der sich ein Kindergarten und die KGS befinden, am Mittwochmorgen früh nicht direkt wieder gefräst worden sei, sondern erst später. Auch in den anderen Städten des Landkreises geht der Unterricht weiter. Auf schneefrei können die Kinder und Jugendlichen wohl nicht hoffen.

Streusalz wird knapp
Lieferschwierigkeiten beim Streusalz gibt es immernoch. „Die Salzvorräte gehen gegen Null“, sagt Thomas Hunold. Dort werden Bergstrecken oder Kreuzungsbereiche bevorzugt geräumt. Der Bauhof in Herzberg hat noch 40 bis 45 Tonnen Streusalz. „Mit 25 Tonnen kommt man etwa drei Tage aus“, erklärt Verena Thiele aus dem Herzberger Bauhof. Um das Salz zu strecken, wird es mit Split verlängert. Auch in Osterode wird das Salz knapp. In Walkenried habe man erst eine Salzlieferung erhalten, sagt Bauamtsleiterin Anja Wagner.

Schneeräumung
Der Schneemassen Herr zu werden, gestaltet sich schwierig. In kleinen Straßen türmen sich die Berge. Wo zwei Autos nebeneinander her fahren können, da ist nur Platz für einen Pkw. „Bei breiten Straßen werden die Schneeberge nicht abgeräumt, in Straßen, in denen es Engpässe gibt, schon,“ so Thomas Hunold. Straßen, die nicht breiter als drei Meter sind, so der Bad Lauterberger Bauamtsleiter Gerhard Johnen, müssen von den Anliegern selber geräumt werden. Möglich sei, solche Straßen als Einbahnstraßen auszuweisen. „Da muss die Verhältnismäßigkeit geprüft werden. Ist es zumutbar, dass sich zwei Fahrer ausweichen und wenige Meter rückwärts fahren, um den anderen vorbei zu lassen“. Notwendig sei dabei die Zusammenarbeit mit der Polizei, die die Regelung überwachen müsse. Eine Einbahnstraße einzurichten, sei die große Ausnahme, so Johnen.
An der Ortsdurchfahrt in Sieber wurden der Schnee geräumt, so Verena Thiele. Vermutlich heute werde in Lonau geräumt. „Oft schaufeln die Anlieger aber den Schnee auf die Straße, das ist ein Problem“, so Thiele. In Walkenried haben die Räumdienste und externe Firmen ebenfalls begonnen, den Schnee abzutransportieren. Gelagert wird er auf gemeindeeigenen Grünflächen oder auf Parkplätzen.

Autofahren
Die Verkehrsregeln müssen auch im Winter beachtet werden, sagt Peter Schiep, Verkehrssachbearbeiter bei der Polizei Northeim/Osterode. Beim Auffahren auf Bundesstraßen oder andere Straßen etwa seien die Vorfahrsregeln zu beachten. „Im Winter ist gegenseitige Rücksichtnahme gefragt.“ Bei starkem Schnee sei es ruhiger auf den Straßen, da die Fahrer vorsichtiger unterwegs seien. „Problematischer ist es in den Übergangsphasen, wenn man nicht weiß, ob die Straße nur nass oder glatt ist.“ Trockene Abschnitte können sich mit glatten Streckenabschnitten abwechseln, besonders in Kurven. „Dann sollten Pkw-Fahrer das Tempo reduzieren und sich nicht drängeln lassen,“ mahnt Schiep. Auf das eigene Recht im Straßenverkehr solle man auch verzichten können, zum Beispiel auf Bergstraßen. „Den von unten kommenden Pkw kann man vorbei lassen, damit der den Berg hoch kommt und nicht bremsen muss.“ Vor jeder Fahrt muss das Fahrzeug komplett vom Schnee befreit werden. „Rutscht der Schnee vom Dach auf die Windschutzscheibe, fährt man blind und riskiert eine Verwarnung“, so Schiep.

Unfälle durch Glätte
In der Notfallaufnahme des Herzberger Krankenhauses merkt man einen Anstieg der Unfälle. „Besonders nach den Lkw-Unfällen hatten wir sechs oder sieben Krankenwagen vor der Tür“, erzählt Bernd Krause, Krankenpfleger in der Notaufnahme. Knochenbrüche seien das häufigste Problem. Die resultieren nicht immer nur aus Autounfällen. „Viele Spaziergänger gehen unbedacht im Wald spazieren.“ In der Notaufnahme landen dieser Tage viele Skiläufer und Rodler aus dem Harz. Krause, der seit 28 Jahren im Krankenhaus arbeitet, bemerkt einen Anstieg der Notfallpatienten im Vergleich zu den Vorjahren. An die Grenzen gestoßen sei man aber noch nicht. „Bis jetzt geht es noch. Wir müssen auch erst mal jeden Patienten aufnehmen“. Je nach Verletzung können die Patienten wieder nach Hause geschickt werden. Zur Not werden die Krankenhäuser in Seesen oder Goslar angefahren.

Wild und Getreide
Noch kommen Tiere und Pflanzen gut zurecht. Das ergab eine Umfrage des Landvolks Niedersachsen. „Die starken Fröste traten erst auf, als die Böden schon mit Schnee bedeckt waren“, so Paul Steingröver vom Fachbereich Pflanzenschutz der Bezirksstelle der Landwirtschaftskammer in Bremervörde. Sein Kollege Wolfgang Rudolph aus Northeim bestätigt dies. Das Getreide sei meistens nicht sehr üppig entwickelt in den Winter gestartet. Bei Kahlfrösten ohne Schneeschutz können größere Schäden eintreten. Das lässt sich aber erst zu Beginn der Wachstumsperiode sagen.
Die Experten beurteilen die Auswirkungen des Frosts auf die Schädlinge skeptisch. Die Kälte durchbreche wohl die Vermehrung einiger Schädlinge, aber Käfern und Schnecken können selbst die kalten Temperaturen nichts anhaben. Das gilt auch für die landwirtschaftlichen Nutztiere. „Den Tieren, seien es Rinder, Schafe, Ziegen oder landwirtschaftlich gehaltene Wildtiere, machen die Temperaturen nichts aus“, erklärt Dr. Dietrich Landmann, Leiter der Lehr- und Versuchanstalt für Tierhaltung in Echem. Probleme ergeben sich in der modernen Haltung mit offenen Kaltluftställen für Milchkühe und Rinder. Die Tiere fühlen sich dort wohl, doch die Wasserrohre und Tränken können einfrieren.
Das bedeutet für die Hofbetreiber, dass sie die Versorgung der Tiere mit Wasser selbst regeln müssen. Da jede Milchkuh am Tag rund 100 Liter Wasser benötigt, leisten die Landwirte einen erheblichen Mehraufwand. Häufig funktionieren auch die Entmistungsanlagen oder Faltschieber in den Ställen aufgrund der gefrorenen „Hinterlassenschaften“ nicht mehr, so dass die Landwirte auch dort einschreiten müssen, damit die Tiere wieder sicher laufen können. Landwirte, die wärmeliebende Tiere wie Schweine oder Geflügel halten, drehen die Stallheizungen höher.
druckenversenden

Leserbriefe Kommentar hinzufügen
Äußern Sie jetzt Ihre Meinung zu dieser Nachricht!

Aktuelle Artikel dieser Rubrik
Vier Hufe auf dem Grünen Band
Wasserwirtschaft ist Weltkulturerbe
Augenmerk auf das Thema Gips
Anmeldefrist kurzfristig verlängert
Jeder Euro wird gebraucht

Übersicht

Ältere Artikel finden Sie in unserem Archiv

zurück
Copyright © 2005 Harz Kurier - Screendesign und Programmierung © 2005 lopri.net RSS
Anzeige