Seitenkopf Donnerstag, 02. September 2010 - 23:58 als Startseite | Kontakt | Impressum | AGB Harz Kurier Harzer Wochenspiegel Echo zum Sonntag Anzeige Suche:
Nachrichten
Weichen arbeiten nicht richtig
Ist die Infrastruktur marode?

KREIS OSTERODE. Durch die marode Infrastruktur am Kreuzungsbahnhof Gittelde verpassen Bahnreisende ihre Anschlusszüge – das sagt Michael Reinboth von der Initiative „Höchste Eisenbahn für den Südharz“. Zwar hätten Reisende nur 10 bis 15 Minuten Verspätung, doch durch die mit einem Fahrplanwechsel verkürzte Wartezeit an den Bahnhöfen könnten viele ihren Anschlusszug nicht mehr erreichen.

Spätestens seit dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2009 komme es bei den Zügen der Westharzstrecke auf jede Minute an. Zu den mit wenig Wartezeit verbundenen Anschlüssen in Herzberg und Braunschweig seien nun zweistündlich noch solche in Seesen hinzugekommen, erklärt Reinboth. Diese seien Bestandteil des „IC-Wegfall-Ersatzpakets“ von Landesnahverkehrsgesellschaft und Bahn und sollen einmal die IC und die vor einem Jahr gestrichenen Anschlüsse in Salzgitter-Ringelheim kompensieren. Doch genau einen Tag vor dem Fahrplanwechsel sei die jahrzehntealte Infrastruktur des Kreuzungsbahnhofs Gittelde zum ersten Mal zusammengebrochen, und das gleich für anderthalb Tage. Eine Weiche habe sich nicht mehr stellen lassen. Amtlich werde so etwas als „Weichenstörung“ bezeichnet. „Aber was sich in Gittelde seither abzeichnet, ist wohl als gestörtes Verhältnis zur Pünktlichkeit und zum Kundenservice zu bezeichnen“, beklagt Reinboth. Denn seither sei diese oder eine ähnliche Störung weitere drei Mal aufgetreten, vorläufig zuletzt am 18. Januar. Jedes Mal seien die Züge verspätet, denn Gittelde sei nicht irgendein Bahnhof, sondern ein Kreuzungsbahnhof, wo sich zwei Züge der Linie Braunschweig-Herzberg planmäßig begegnen. Und wenn dort eine Weiche nicht richtig arbeitet, müssten die Zugbegegnungen an einen anderen Punkt verlegt werden. „Nach radikalem Schrumpfkurs der Infrastruktur geht das in Osterode nicht mehr, im Bahnhof Seesen auch nicht, sondern nur auf freier, zweigleisiger Strecke vor Seesen und bedingt in Münchehof, weil es dort noch Gleise für Güterzüge gibt“, erklärt Michael Reinboth.
Gittelde spiele, so Reinboth, im Konzept der Westharzstrecke eine wichtige Rolle. Um so unverständlicher sei es, dass es das Harz-Weser-Netz mit einer richtigen Reparatur offenbar nicht eilig habe. „Dort wird trotz Verspätung für jede Zugfahrt kassiert, aber es ist anscheinend kein Geld vorhanden, um Draht, einige Umlenkrollen und Schmiermittel zu besorgen – denn mit dieser mechanischen Technik arbeitet dieser Bahnhof noch“, sagt Reinboth. Bis eine Umstellung auf den automatischen Betrieb erfolge, würden noch Jahre vergehen. „Augenscheinlich ist man beim Harz-Weser-Netz fest entschlossen, im Hinblick auf diesen immer wieder verschobenen Termin in Gittelde nur noch Provisorien walten zu lassen“, kritisiert Reinboth. Leidtragende seien die Kunden, die ihre Anschlüsse verpassen. Wenn aufgrund dieser Störungen dann Kunden dauerhaft wegbleiben, sei dies kein Problem des Netzes, sondern des Betreibers, der sich über niedrige Zuwachsraten dann nicht zu wundern bräuchte. Am Ende werde wegen zu geringer Inanspruchnahme der Zugverkehr ausgedünnt. Aber auch bei einem Zwei-Stunden-Takt werde der Kreuzungsbahnhof Gittelde immer noch gebraucht. „Höchste Eisenbahn“ hat DB Netz, DB Regio und die LNVG am 19. Januar aufgefordert, sich umgehend um eine nachhaltige Lösung des Problems zu kümmern.
Auf Anfrage des HarzKurier bestätigte die Bahn, dass es am 16. und 18. Januar einen Defekt an den Weichen am Gittelder Bahnhof gegeben hat. Ein Draht sei durchgebrochen. Das könne vorkommen, gerade in den Wintermonaten seien manche Teile anfälliger, erklärte ein Bahn-Sprecher. Beide Defekte seien aber noch am gleichen Tag schnellstmöglich beseitigt worden. Den Vorwurf, dass die Infrastruktur am Gittelder Bahnhof marode sei, wies der Bahnsprecher zurück. Eine Aufsichtsbehörde würde die Bahnhöfe regelmäßig kontrollieren und überprüfen. „Von maroder Infrastruktur kann also keine Rede sein“, so der Sprecher abschließend. red/nza
druckenversenden

Leserbriefe Kommentar hinzufügen
Äußern Sie jetzt Ihre Meinung zu dieser Nachricht!

Aktuelle Artikel dieser Rubrik
Vier Hufe auf dem Grünen Band
Wasserwirtschaft ist Weltkulturerbe
Augenmerk auf das Thema Gips
Anmeldefrist kurzfristig verlängert
Jeder Euro wird gebraucht

Übersicht

Ältere Artikel finden Sie in unserem Archiv

zurück
Copyright © 2005 Harz Kurier - Screendesign und Programmierung © 2005 lopri.net RSS
Anzeige