Berufsstand vs. Patienteninteresse

Zum Artikel „Kinderärztlicher Notdienst: Landärzte werden entlastet“

„Landärzte werden entlastet“ – „und Patienten belastet“, möchte man hinzufügen – jedenfalls solche mit Eltern, die kein eigenes Auto haben und daher nicht spät abends 50 oder 60 km aus dem Altkreis Osterode nach Göttingen fahren können, wenn ihr Kind akut erkrankt ist. Die BI Altkreis hatte mit ihren Bemühungen um einen Kompromiss zwischen Vor-Ort-Betreuung und zentralem Bereitschaftsdienst am Klinikum bei den hiesigen Kinderärzten ein Rumpfangebot für die Zeit samstags 9-13 Uhr erwirkt. Doch selbst dieses minimale Zugeständnis wollte die kassenärztliche Vertreterversammlung Anfang Juni den Eltern nicht machen: Berufsstand vs. Bürgerinteressen – was hätten die Eltern tun sollen, um der Presse nach zwei Monaten ihr Missfallen zu zeigen? Auf die Barrikaden gehen? Praxen belagern? Natürlich muss man sich irgendwie arrangieren – sei es, Bekannte um Hilfe bitten, sei es, schneller erreichbare Kliniken in Nordhausen oder Hildesheim aufsuchen. Nur sind das eben Zustände, wie sie einem der wohlhabendsten Länder nicht würdig sind.

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