Jörg Seedow ist wieder auf Spurensuche

Walkenried  Ernst Hahmann stellte in Walkenried seinen Roman Der Flüchtling vor. Darin wird Journalist Jörg Seedow in einen Fluchtversuch aus der DDR verstrickt.

Ernst-Ulrich Hahmann bei der Lesung in Walkenried.

Foto: Florian Renneberg

Ernst-Ulrich Hahmann bei der Lesung in Walkenried. Foto: Florian Renneberg

Am Mittwoch war Ernst-Ulrich Hahmann zu Gast in der Walkenrieder Gemeindebücherei. Im Gepäck hatte der gebürtige Ellricher seinen neuen Roman „Der Flüchtling“, in dem der Journalist Jörg Seedow in einen Fluchtversuch aus der DDR in den Westen verstrickt wird.

Der Protagonist Seedow, Redakteur einer fiktiven Lauterberger Tageszeitung, ist Hahmanns Lesern bereits aus dessen Vorgänger-Roman „Der Leichenschänder“ bekannt, in dem Hahmann die Morde des Südharzer Serienmörders Rudolf Pleil verarbeitet hat.

Handvoll Zuhörer

„Wir haben leider vergessen, dass zeitgleich die Buchmesse stattfindet – die Walkenrieder Literaturinteressierten sind vermutlich alle in Frankfurt“, sagte Michael Reinboth mit Blick auf die Handvoll Zuhörer, die den Weg in die Walkenrieder Bücherei gefunden hatten. Die erlebten allerdings einen munteren Vortrag, in dessen Verlauf Hahmann nicht nur Passagen aus seinem Buch las, sondern auch immer wieder auf dessen Entstehungsgeschichte einging. So las der Autor beispielsweise die erste Fassung des Romananfangs vor und stellte dieser anschließend die letztlich veröffentlichte gegenüber. Darin beginnt die Geschichte mit dem Bau der Berliner Mauer im Jahr 1961 und dem sprichwörtlichen Sprung in die Freiheit, die der junge NVA-Soldat Conrad Schumann damals an der Bernauer Straße wagte.

Die Grenze

Die Überwindung der innerdeutschen Grenze ist dann auch Thema des Romans, in dem ein junger Mann aus Frankfurt/Oder versucht, in den Westen zu fliehen. Dabei stützt sich Hahmann auf Stasi-Akten zu einem realen Fall, der sich im Jahr 1983 zugetragen hat. Die Fluchtstrecke von Gudersleben nach Wiedigshof ist der ehemalige Oberstleutnant der Nationalen Volksarmee im Nachhinein selbst abgelaufen.

Im Wechselspiel seiner beiden Hauptfiguren, des Flüchtlings Felix Kruschke und des westdeutschen Journalisten Jörg Seedow, lag dann auch eine der größten Herausforderungen für den Autor, wie er in Walkenried freimütig bekannte. So zum Beispiel, als er Seedows Einreise über Marienborn in die DDR schildert. „Als Ossi ist es mir schwergefallen, mich in die Gefühlswelt Seedows hineinzuversetzen – schließlich bin ich nie vom Westen in die DDR eingereist“, sagt Hahmann.

Den realen Felix Kruschke, dessen Name anders lautet, hat Hahmann nicht ausfindig machen können. So blieb all das, was nicht in den Akten der Staatssicherheit stand, der Fantasie des Autors überlassen.

Der Flüchtling – von hüben nach drüben und was noch geschah“ erschien 2013 im amicus-Verlag.

Das Buch gehört zu der Reihe „Jörg Seedow – ein Journalist auf Spurensuche“.

Ernst-Ulrich Hahmann wurde 1943 in Ellrich geboren und lebt heute in Bad Salzungen.

Von 1963 bis 1988 war Hahmann Artillerieoffizier bei der Nationalen Volksarmee der DDR.

„Beinahe 25 Jahre nach Öffnung der innerdeutschen Grenze verblasst die Erinnerung an die deutsche Teilung immer mehr“, sagte Reinboth abschließend, „nicht nur deshalb hätte die Lesung mehr Zuhörer verdient gehabt.“

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