Gotteslob mit Singspiel-Einlagen

Braunschweig  2500 Zuschauer erlebten Haydns „Schöpfung“ in der VW-Halle.

Staatsorchester, Solisten und Chöre bei der „Schöpfung“.

Foto: Florian Kleinschmidt

Staatsorchester, Solisten und Chöre bei der „Schöpfung“. Foto: Florian Kleinschmidt

Gotteslob ist nie verkehrt, da hat Claus-Eduard Hecker schon recht. Es hätte zum Reformationsjubiläum zwar auch genug Bach-Kantaten mit sanglichen Chorälen gegeben. Aber nun hieß es, Haydns „Schöpfung“ genießen, die Gottes Werk im Dialog der Engel ausbreitet und nachher Adam und Eva in eheliche Beziehung setzt. Nicht nur 800 Sänger aus der gesamten Landeskirche sowie regionalen und internationalen Partnerkirchen, der Bischof inklusive, lockten in die VW-Halle, sondern auch Haydns musikalische Beschreibung: Wie in schweren Streichern der Geist Gottes über den Wassern schwebt. Wie aus dunklem Ahnen mit dem hundertfach intonierten Wort „Licht“ die Erde beseelt wird. Und wie zu gezupften Streichern und fröhlicher Flöte das vielgestaltige Tierreich weidet.

Die Lautsprecher gaben viel differenzierter als geahnt besonders die Schichtung der Chöre wieder, die licht und in allen Stimmen klar gestuft erklangen. Hecker hielt sie energisch im Takt, die gute Vorbereitung brachte Lohn. Vom Staatsorchester traten besonders die hohen Streicher hervor, etwas scharf abgemischt, während Tiefen und Blech erstaunlich abfielen, da wäre technisch noch zu justieren gewesen.

Den Solisten bekam die Verstärkung dagegen trefflich, denn so wortverständlich hat man in hallenden Kirchen noch nie dem Text lauschen können. Besonders Henryk Böhm ist ein exzellenter Gestalter, nicht ganz so satt in der Tiefe, aber mit so herrlich blühenden Kantilenen bis in höhere Gefilde, dabei mimisch-gestisch von Entertainer-Charme, dass man glaubt, Sinatra erzähle uns die Bibel neu. Einspringer Lothar Odinius führt seinen Tenor weniger geschmeidig als formbedacht, aber verlässlich, während Anna Mengel ihren feinen Sopran zart durch die Koloraturen der Adler und Tauben treibt.

Als erstes Menschenpaar ergänzen sich dann Böhm und Gattin Susanna Pütters mit ihrem reiferen Sopran zu einem harmonischen Duett. Die darin gepriesene Unterwerfung der Frau nimmt Böhm mit überraschtem Mienenspiel zur Kenntnis, eine hübsch ausgespielte Szene. Auch Haydn liebäugelt musikalisch zeitweise mit dem Mozartschen Singspiel, bis die prächtigen Chöre wieder an die weltgeschichtliche Bedeutung gemahnen: „Des Herren Ruhm, er bleibt in Ewigkeit!“ Das kommt klar und prachtvoll.

Langer Applaus von an die 2500 Zuhörern.

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